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In diesem Jahr jährt sich das verheerende Erdbeben von Tangshan zum 50. Mal. Die Katastrophe vor einem halben Jahrhundert veränderte das Schicksal unzähliger Menschen und wurde zugleich zum Ausgangspunkt einer jahrzehntelangen Auseinandersetzung mit der Frage, wie Wahrheit dokumentiert und vermittelt werden kann.

Das dokumentarische Werk „Das große Erdbeben von Tangshan“ über die Katastrophe erschütterte damals zahlreiche Leserinnen und Leser. Es wurde nicht nur Teil des kollektiven Gedächtnisses mehrerer Generationen chinesischsprachiger Menschen, sondern prägte auch nachhaltig die Entwicklung der chinesischen Reportageliteratur und des journalistischen Schreibens.

Am 12. September freut sich die Blaues Haus Stiftung, den Autor des Buches, den renommierten Journalisten und Non-Fiction-Autor Qian Gang, in Berlin begrüßen zu dürfen. Er wird über seinen Weg bei der Dokumentation und Recherche von Fakten berichten und gemeinsam mit dem Publikum historische Hintergründe und Details des Erdbebens von Tangshan neu betrachten.

Eine weniger bekannte Facette der Entstehungsgeschichte des Buches ist der starke Einfluss des tschechischen deutschsprachigen Schriftstellers Egon Erwin Kisch auf Qian Gang. Kischs Verständnis von dokumentarischem Schreiben – Fakten präzise wiederzugeben und zugleich die Lebendigkeit eines literarischen Werkes zu bewahren – hat Qian Gangs Arbeit an Das große Erdbeben von Tangshan wesentlich geprägt. Damit eröffnet sich zugleich eine überraschende Verbindung zwischen chinesischer und deutschsprachiger Literaturtradition.

Im Vortrag wird Qian Gang über diese literarischen Einflüsse sowie über seine Erfahrungen und Gedanken zum dokumentarischen Schreiben sprechen. Auch die Frage, wie Künstliche Intelligenz heute Journalismus und Non-Fiction-Schreiben verändert, möchte er mit dem Publikum diskutieren.

Für die Veranstaltung steht eine KI-gestützte Echtzeitübersetzung vom Chinesischen ins Deutsche zur Verfügung. Wir laden die chinesischsprachige Community in Berlin ebenso wie deutschsprachige Interessierte herzlich zu einem Nachmittag über Erinnerung, Wahrheit und menschliches Schicksal ein.

 

Referent

Qian Gang, geboren 1953 in Hangzhou, Provinz Zhejiang, schloss 1986 sein Studium an der Kunsthochschule der chinesischen Volksbefreiungsarmee ab. Er ist ein langjährig erfahrener Journalist und zählt zu den wichtigen Vertretern der chinesischen Reportageliteratur.

In den 1980er-Jahren arbeitete er als Reporter für die Zeitung der Volksbefreiungsarmee. In den 1990er-Jahren übernahm er leitende Aufgaben im chinesischen Medienbereich. Er war an der Gründung des Magazins Sanlian Lifeweek beteiligt und wurde 1993 dessen geschäftsführender Chefredakteur. Darüber hinaus arbeitete er an der Konzeption der CCTV-Sendung News Probe mit und war von 1998 bis 2001 stellvertretender Chefredakteur der Wochenzeitung Southern Weekly. Von 2004 bis 2016 leitete er das China Media Project (CMP) am Journalism and Media Studies Centre der University of Hong Kong.

2018 kam er auf Einladung der Robert Bosch Stiftung als Weizsäcker Visiting Fellow nach Deutschland und lebte zeitweise in Berlin. Heute ist er Honorary Lecturer an der School of Future Media der University of Hong Kong.

Zu seinen wichtigsten Werken zählen Das große Erdbeben von Tangshan (1986), Seebestattung (1989), Die chinesischen Austauschschüler der Qing-Dynastie in den USA (2004) und Reporter vergangener Nachrichten (2005).


Moderation

Zou Sicong ist Autor und lebt in Berlin. Er widmet sich dem Schreiben sowie der Konzeption chinesischsprachiger Kulturprojekte. Seit 2021 lebt und arbeitet er in Deutschland, Polen und Tschechien. Vor seinem Umzug nach Europa war er in Hongkong und Shenzhen als Journalist, Redakteur und PR-Mitarbeiter tätig.

 

Veranstaltungsinformationen

Datum: Samstag, 12. September 2026
Zeit: 15:00–17:00 Uhr
Ort: Freie Universität Berlin – Institut für Philosophie
Habelschwerdter Allee 30, 14195 Berlin
Vortragssprache: Chinesisch (Hinweis: Dieser Vortrag bietet eine KI-gestützte Echtzeit-Übersetzung vom Chinesischen ins Deutsche. Teilnehmer müssen den QR-Code mit ihrem Mobiltelefon scannen und mobile Daten nutzen, um die Live-Untertitel zu sehen. Es ist keine Softwareinstallation erforderlich. Es kann zu leichten Verzögerungen oder Übersetzungsfehlern kommen.)
Der Eintritt ist frei. Bitte scannen Sie den QR-Code, um sich auf Eventbrite zu registrieren. Falls Sie den QR-Code nicht scannen können, kopieren Sie bitte diesen Link und öffnen Sie ihn in Ihrem Browser: https://www.eventbrite.com/e/1997957693244

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